Die Geschichte von Tongeren-Borgloon

Tongeren-Borgloon ist die Geschichte zweier Städte mit einer turbulenten, aber vor allem langen Geschichte. Bei der einen handelt es sich um eine Lütticher Stadt und bei der anderen um eine Looner Stadt. Also sind sie verfeindet? Das war einmal: Man denke nur an die Burg von Kolmont, die eine Festung Loons war, um die Einwohner von Tongeren im Auge zu behalten. Im Mittelalter kam es für kurze Zeit zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Städten. Für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich. Doch bevor der Eindruck entsteht, dass sich die Einwohner Tongerens und Borgloons regelmäßig gegenseitig die Köpfe einschlugen, möchten wir eines klarstellen: Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein!

Römer in Tongeren und Borgloon

Tongeren war die erste Stadt des Landes. Ihr Einfluss war weitreichend. Auch hinunter nach Borgloon, wo bis heute römische Überreste zu finden sind. Die Römer machten Tongeren zu einer Civitas. „Atuatuca Tungrorum“ war eine Region mit eigener Verwaltung und bedeutendes Agrargebiet. Borgloon und Tongeren liegen nämlich an der fruchtbaren Grenze zwischen dem trockenen und dem feuchten Hespengau. Die Römerstraße von Tongeren nach Tienen bildet die Grenze. Während Tongeren zu jener Zeit bereits eine eigene Verwaltung aufbaute, gab es in Borgloon noch keine.

MEDIALOUNGE.BE

Hochstift Lüttich

Bis ins frühe Mittelalter ... Borgloon als strategisch günstig gelegener Hügel Loons zog schnell Menschen an, und wie in Tongeren ließ sich auch dort ein Vertreter des Königs nieder, der im 9. und 10. Jahrhundert eine erbliche Macht erlangte. Er wird Graf von Loon und zumindest ein Freund des Lütticher bischöflichen Tongeren. Beide Städte wetteiferten um fruchtbares Land und die Kontrolle über die wichtige Handelsstraße Brügge-Köln. Tongeren wird zu einer nördlichen Bastion des Bischofs, während Borgloon die Hauptstadt von Loon wird, mit der Burg von Kolmont als Festung.
Im 14. Jahrhundert ändert sich die Feindschaft zwischen den Einwohnern von Tongeren und Borgloon: Borgloon ist nicht mehr Hauptstadt einer Grafschaft und wird eine Stadt von Lüttich. Tongeren hingegen verliert seine Rolle als nördliche Bastion, büßt an Einfluss in Lüttich ein und verschwindet weiter von der Bildfläche. Von nun an sind die Städte nicht mehr Feinde, sondern Nachbarn.

Studio Dupont

Fruitspoor

Von da an verläuft unsere Geschichte quasi parallel und setzt sich fort mit der Französischen Revolution, der niederländischen Periode und der Gründung Belgiens im Jahr 1830. Im 19. Jahrhundert erlebten sowohl Tongeren als auch Borgloon einen wirtschaftlichen Aufschwung, der vor allem auf den Bau der Eisenbahn zurückzuführen war. Die Fruitspoor, auch bekannt als Linie 23, verband unsere Städte physisch und wirtschaftlich – genau wie die Römerstraße 2.000 Jahre zuvor.
Heute respektieren wir die Individualität und die lange Geschichte sowohl der ersten Stadt Belgiens als auch der ersten Stadt der Grafschaft Loon. Aufgrund unserer gemeinsamen Vergangenheit ist es sinnvoll, unsere Kräfte zu bündeln. Gemeinsam bilden wir das Herz des südlichen Limburgs und der Obstregion.

Marijke Leys

nach oben